Hagebutten

Rot Rot Rot sind alle ihre Farben! Rosen schmücken sich jetzt mit roten Klunkern und sorgen damit für pures Entzücken. Entdecken Sie die Vielfalt der Hagebutten – und Ihre Favoriten für den eigenen Garten.
Pralle Früchte der Kartoffelrose (Rosa rugosa). Handverlesene Hagebutten vom Spaziergang.
Die flaschenförmigen Hagebutten der Mandarin-Rose finden schnell Liebhaber.
Rosa rubiginosa trägt scharlachrote Klunker. Rosa helenae ist ein toller Hagebutten-Rambler.
Rosa sweginzowii ‘Macrocarpa‘ zeigt was sie kann: große flaschenförmige Früchte bilden.
Herzlich gerne – die roten „Perlen“ verführen jetzt zum Pflücken und Dekorieren.

 

Rätselraten um das Männlein und den roten Mantel
Bauchig dick und kugelrund, schmal und oval, glatt glänzend oder borstig behaart – keine Hagebutte gleicht der anderen. Aber sie tragen (fast) alle das berühmte „purpurrote Mäntelein“, um das es sich in dem bekannten Kinderlied von Hoffmann von Fallersleben dreht. Sag wer mag das Männlein sein…? Die Meisten denken bei dem rätselhaften Text an einen Fliegenpilz, der da besungen wird; tatsächlich taucht in der zweiten Strophe das „schwarze Käppelein“ auf und das ist ein eindeutiger Hinweis auf die Hagebutte – damit ist nämlich der vertrocknete Blütenkelch gemeint.

Her mit den roten Früchtchen
Im September und Oktober ist Hochsaison für die prallen roten Früchte. Auf Spaziergängen durch die Natur, in Parks und Gärten sind sie nicht zu übersehen. Ganze Wildrosenhecken voller Hagebutten, ausladende Strauchrosen, über und über mit Früchten behangen. Doch nicht jeder Rosenbusch putzt sich so fein heraus. Wo den ganzen Sommer über fleißig welke Blüten heraus geknipst wurden, wartet man vergebens, ebenso bei dicht gefüllten Rosensorten. Deren Staubblätter wurden züchterisch in zusätzliche Blütenblätter umgewandelt, die Blüten sind daher steril und bilden keine Früchte. Am zuverlässigsten bilden Rosen mit einfachen oder halb gefüllten Blüten Früchte. Aber auch nicht alle! Deshalb ist es ratsam, beim Einkauf in der Baumschule nachzufragen; einige Züchter geben dazu außerdem in ihren Katalogen Auskunft.

Innenansichten einer Hagebutte. Behaarte Samenkerne, auch bekannt als Juckpul¬ver!

Innenansichten einer Hagebutte. Behaarte Samenkerne, auch bekannt als Juckpulver!

 

Botanisch gesehen sind Hagebutten sogenannte Sammelnussfrüchte. Die rote Hülle entwickelt sich nach der Befruchtung aus dem Blütenboden und umschließt viele kleine behaarte Nüsschen, die Samenkerne. Wer kennt sie nicht aus der Kindheit als Juckpulver; es sind aber nicht die Kerne Schuld am Juckreiz, sondern die vielen kleinen Härchen mit Widerhaken, die in der Haut hängenbleiben.

Hagebuttenvielfalt – Eine schöner als die andere
Rosa canina: Sie kennt fast jeder – unsere heimische Hundsrose. Von Juni bis Juli trägt sie sehr üppig einfache weiß-rosa Blüten mit leichtem, aber wunderbarem Duft. Ist diese Pracht vorbei, kommen ab September hell-scharlachrote Hagebutten zum Vorschein. An den Hagebutten hat man von August bis in den Dezember monatelang Freude. Sie sind essbar, enthalten viel Vitamin C und lassen sich prima zu Marmelade, Gelee, Saft oder Likör verarbeiten.

Rosa rugosa: Sie ist als Apfelrose oder Kartoffelrose bekannt und gilt als sehr gesunde und auch widerstandsfähige Wildrose, die mit allen Bodenverhältnissen zurechtkommt. Man kennt sie als typische Wildrosenhecke an Böschungen, auf Steinwällen oder zur Grundstücksabgrenzung. Die meist rosa oder reinweißen Blüten erscheinen ab Juni und verbreiten einen schönen Wildrosenduft. Der herrliche Duft ist nicht von der Farbe abhängig. Bereits im Juli bilden sich die ersten Hagebutten, die später leuchtend orange-rot werden. Sie sind fleischig und reich an Vitamin C. Der Fruchtschmuck ziert lange Zeit die Pflanzen.

Rosa multiflora: Eine sagenhafte Bienenweide. Wie der Name Vielblütige Rose oder Büschelrose schon sagt, trägt diese Wildrose eine Vielzahl an kleinen, weißen, stark nach Honig duftenden Blüten und bildet Unmengen an Mini-Hagebutten. Ein paar Zweige machen sich hervorragend als Vasenschmuck.

Rosa moyesii: Mit ihren flaschenförmigen Hagebutten findet die aus den Bergen Westchinas stammende Mandarin-Rose schnell Liebhaber. Sie ist eine der schönsten wilden Sorten überhaupt. Dafür sorgt auch die blutrote Farbe der einfachen, mittelgroßen Blüten, in deren Mitte sonnengelbe Staubgefäße einen auffälligen Kontrast bilden. Im Herbst sorgen dann die orangeroten, flaschenförmigen Hagebutten für eine würdige Vertretung der Blüten.

Rosa helenae syn. Rosa floribunda: Ihre einfachen Blüten sind weiß, klein und duften gut. Sie blüht reichhaltig im Juni-Juli in flachen Doldenrispen. Rosa helenae ist ein wild-romantischer Hagebutten-Rambler, dessen Früchte rot, eiförmig und sehr zahlreich sind.

Rosa sweginzowii ‘Macrocarpa‘: Ihr Name ’Macrocarpa’ bedeutet “großfruchtig“ und verrät schon die herausragende Eigenschaft dieser Rose: Ihre flaschenförmigen, glänzenden Hagebutten werden bis zu 5 cm groß und leuchten im Herbst kräftig Orangerot. Im Sommer trägt die Pflanze rosafarbene einfache, mittelgroße und süß duftende Blüten an Ästen, die sie wie Adlerschwingen ausbreitet.

Rosa rubiginosa: Die Wein-Rose auch Zaun-Rose, Apfel-Rose oder Sweet Briar genannt, ist eine heimische Wildrosenart. Ihr Laub duftet nach reifen Äpfeln, besonders bei feuchter Witterung. Die Wein-Rose bildet einen sehr dichten und stark bewehrten Strauch oder ganze undurchdringliche Hecken und wurde deswegen als ’Schottische Zaunrose’ berühmt. Da kommt so schnell nichts durch. Ihre einfachen, kleinen Blüten in zartem Rosa erscheinen im Juni, die sich später in reichlich scharlachroten Fruchtschmuck verwandeln. Ihre Hagebutten werden gerne zu Wildrosenöl und Marmelade verarbeitet.

Vitaminreiche Snacks für alle
Web Nur wenige Wildrosenarten behalten ihre Früchte so lange wie die Hundsrose; sie erfreut uns damit noch mitten im Winter bei Schnee und Eis. Für hungrige Vögel sind Hagebutten ein Leckerbissen. Vor allem die der heimischen Wildrosen sind das perfekte Herbst- und Winterfutter für knapp 30 Vogel- und fast 20 Säugetierarten. Neben Finken, Drosseln und Zeisigen freuen sich auch andere Gartenbewohner wie der Steinmarder auf die süßsauren, vitaminreichen Hagebutten. Je Kilogramm enthalten sie rund fünf Gramm Vitamin C, dazu kommen die Vitamine A, B1 und B2 sowie verschiedene Fruchtsäuren und Pektin.
Doch es bleibt immer noch genügend übrig, um reichlich Hagebutten aus der Natur oder dem eigenen Garten zu ernten und daraus selbst Marmelade oder Likör zu machen. Grund¬sätzlich sind alle Hagebutten genießbar. Je größer und fleischiger die Früchte sind, desto einfacher lassen sie sich verarbeiten. Sonnige Oktobertage sind die besten Erntetage. Dann stehen die meisten Früchte kurz vor der Vollreife, sind besonders süß und reich an Vitamin C.

 

Hagebutten-Likör

 

Das braucht man:
500 g Hagebutten
150 g brauner Kandiszucker
700 ml Rum oder Doppelkorn

Und so geht’s :
Eine Literflasche zu ¾ mit gereinigten Hagebutten füllen. Dann mit Korn oder Rum aufgießen und die Flasche 6 Wochen lang verschlossen an einen sonnigen Platz stellen. Von Zeit zu Zeit durchschütteln. Danach den Inhalt filtrieren und mit Kandiszucker in eine neue Flasche füllen. Nochmals 14 Tage ziehen lassen. Kühl stellen! Danach in hübsche, kleine Flaschen füllen.

Rosa multiflora hat Talent als Vasenschmuck, andere wie etwa Rosa canina als Likör.

Rosa multiflora hat Talent als Vasenschmuck, andere wie etwa Rosa canina als Likör.

 

TEXT: Martina Raabe
FOTOS: Botanikfoto (2), 123 RF (1), Fotolia (7)
ILLUSTRATION: Fotolia

Leave a Reply

Pinterest