Aussaat – her mit den Samentütchen!

10. März 2017
Das lange Warten hat ein Ende! Holen Sie jetzt Ihre Saattütchen und die Aussaatschalen hervor und legen die Grundlage für eine knackige Gemüseernte und jede Menge Sommerblumensträuße.

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Von Frühstartern und jungem Gemüse

Der Startschuss für die Gemüsesaison beginnt schon im März. Und zwar auf der warmen Fensterbank oder eine Nummer größer – im Gewächshaus. Paprika ist gleich zu Beginn des Monats als Erstes dran. Je früher man mit der Aussaat beginnt, desto mehr Vorlaufzeit haben die Jungpflanzen, bevor sie nach draußen können. Das gilt auch für Basilikum und frostempfindliche Gemüsesorten wie Artischocken, Auberginen, Gurken. Tomaten haben noch bis Ende März Zeit. Dann folgen auch die Vorkulturen von Radieschen, Frühjahrsrettichen und den ersten Kopf- und Pflücksalaten.

 

Früh übt sich auch bei den Sommerblumen

Echte Sommerkinder wie Bartnelken, Löwenmäulchen, Patagonisches Eisenkraut (Verbena bonariensis), Sommerastern, Männertreu (Lobelie) können schon Ende Februar, Anfang März vorgezogen werden.

Im März oder April sind als Vorkultur dann Bechermalve, Elfenspiegel und Elfensporn, Kokardenblume, Mädchenauge, Cosmea, Levkojen, Sonnenblumen, Spinnenpflanze, Zinnien und Ziersalbei an der Reihe.

Diese Einjährigen lieben es etwas direkter – nämlich ab März, April mitten ins Beet: Sommerazalee (Godetie), Schlafmützchen, Jungfer im Grünen, Kornrade. Und ab Mai gibt es kein Halten mehr für Muschelblume, Kapuzinerkresse, Kornblume, Ringelblumen, Tagetes und Wicke – sie wollen nix wie raus in die Gartenerde.

 

1. Richtiges Aussäen – kein Buch mit 7 Siegeln

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Was Sie als Erstes brauchen, ist die Kinderstube – die Gefäße, in denen die Saat aufgehen soll. Praktisch und handlich sind Aussaatschalen aus Kunststoff. Sie sind leicht, gut zu stapeln und problemlos zu säubern. Manche Modelle haben noch den passenden Deckel und schon wird aus der einfachen Schale ein Minigewächshaus. Aber bevor der Deckel drauf kommt und so für den gewünschten Treibhauseffekt sorgt, muss die Pflanzschale präpariert werden. Zuerst bedeckt man die Abflusslöcher mit kleinen Tonscherben oder Steinchen, damit sie nicht verstopfen. Dann füllt man die Schalen mit lockerer, humusreicher Erde bis 1 cm unter den Rand der Schale auf. Tipp: Leicht schütteln, damit sie sich setzt. Die Erde übrigens nie direkt aus dem kalten Schuppen, Auto oder der Garage nehmen; immer erst auf Zimmertemperatur bringen und dann aussäen. Ebenso wichtig: keimfrei sollte das Substrat sein, damit die zarten Keimlinge nicht von Pilzkrankheiten befallen werden. Entweder verwendet man keimfreie Anzuchterde mit der nötigen, niedrig dosierten Portion an Nährstoffen. Oder man mischt sie selber und zwar so:

Rezept für eigene Anzuchterde:
3 Teile Rindenhumus oder Torfersatz
2 Teile Sand
1 Teil gesiebter Kompost
1 Teil gesiebte Garten – oder frisch aufgeworfene Maulwurfserde

Das self-made Gemisch kommt dann für 30 Minuten bei 100 Grad zum Sterilisieren in den Backofen.

 

2. Einmal glätten und anfeuchten, bitte!

Die Erde mit der Hand oder einem Brettchen glattstreichen und mit einer feinen Blumenbrause schön anfeuchten, bevor die kleinen Samenkörner darauf landen. Gießt man nämlich erst nach der Aussaat, werden sie leicht weggeschwemmt und klumpen aneinander. Damit der Pflanz- oder Gartentisch nicht in Mitleidenschaft gezogen wird, stellt man die Aussaatschalen in eine Art großen Untersetzer oder in eine Auffangschale. So kann überschüssige Flüssigkeit abfließen und hinterlässt keine hässlichen und unerwünschten Flecken auf dem Untergrund.

 

3. Korn an Korn, aber nicht zu dicht

… so lautet die oberste Regel beim Aussäen, damit die Keimlinge später genügend Platz haben. Wer auf akkurates und schnelles Aussäen Wert legt, nimmt eine Aussaathilfe zum Versenken der Samenkörner – ruckzuck landen sie in der richtigen Tiefe und im richtigen Abstand zueinander. Das handliche Gerät ist ideal für die Anzucht in rechteckigen Saatschalen. Mit etwas Geschick und Übung kann man aber auch freihändig direkt aus der Tüte aussäen. Dafür das Saattütchen an einer Seite aufschneiden oder vorsichtig aufreißen, am besten eine kleine Falz in das Tütchen knicken und die Samenkörner locker mit dem Finger herausklopfen. Feines Saatgut wie das von Möhren vermischt man mit ein bisschen trockenem Sand und sät es dann aus. Einzeln stehende Gemüsepflanzen wie Sellerie, Gurken, Tomaten oder Mangold sät man statt in Aussaatschalen gleich in kleine Töpfe.

 

4. Licht und Dunkel – beides ist erwünscht

Dunkelkeimer (steht meist hinten auf dem Saattütchen) brauchen Dunkelheit zum Keimen. Sie werden deshalb mit einer dünnen Schicht Erde übersiebt. Dafür gibt es extra Rüttelsiebe, die feinste Erde sieben.
Lichtkeimer dagegen können und müssen auf die feine Krume verzichten. Sie brauchen das Licht als Keim-Impuls. Hier wird die Saat nur leicht angedrückt. In eckigen Pflanzschalen nimmt man dafür ein Brettchen zur Hand; in runden Töpfen wird es etwas umständlich; leichter geht es mit einem runden Aussaatstempel, der aussieht wie ein runder Topfstamper mit Griff; Der sorgt für den richtigen Bodenkontakt der Saat.

 

5. Das Who is Who in der Aussaatkiste

Im Eifer des Gefechtes kann es auch geübten Grünfingern schon mal passieren, dass man auf einmal nicht mehr weiß, was man worin ausgesät hat. Darum unbedingt die leeren Saattütchen aufheben und die „Kinderstube“ mit Etiketten oder Pflanzschildern markieren und beschriften. So kommt nichts durcheinander beim Gemüse- und Sommerblumennachwuchs.

 

6. Prima Klima

Jetzt werden die Aussaatgefäße unter Glas oder Folie gesetzt. So bleibt die notwendige Feuchtigkeit für die Keimung erhalten. Praktisch sind durchsichtige Kunststoffhauben oder Pflanzglocken, die für feucht-warmes Klima und damit für beste Wachstumsbedingungen sorgen – wie in einem Minitreibhaus. Keimlinge lieben es hell, warm und feucht! Glasglocken oder Garden Bells, wie die Engländer sagen, wurden schon von Königin Victoria von England zum Vorziehen und Abdecken benutzt.

 

7. Wir sind pikiert!

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Wenn die Pflänzchen neben den beiden Keimblättern auch ihre ersten Laubblättchen gebildet haben, stehen sie oft dicht an dicht. Dann wird es langsam zu eng in der Aussaatschale und es wird Zeit, sie zu pikieren, also zu vereinzeln. Die zarten Pflänzchen wandern jetzt in größere Gefäße, wo sie zu kräftigen Pflanzen mit gut ausgebildeten Wurzelballen heranwachsen können. Die Jungpflanzen vorsichtig an den Blättchen anfassen und herausziehen, damit die zarte Wurzel nicht abreißt oder man nimmt ein Pikierholz zur Hilfe. Setzen Sie die Jungpflanzen bis zu den Keimblättern in größere Töpfe oder Schalen.

Tipp: Das Pikieren in Aussaaterde ist oft ein teures Vergnügen, da die Töpfe und Gefäße jetzt noch größer sind. Außerdem würde man später, wenn die Pflanzen mehr und mehr Nährstoffe benötigen, kaum noch mit dem Düngen hinterher kommen, da die Aussaaterde recht mager ist. Einfacher und günstiger ist folgendes:

Rezept für eigene Pikier- und Jungpflanzenerde
2 Teile Rindenhumus oder Torfersatz
2 Teile Sand
1 Teil gesiebter Kompost
1 Teil gesiebte Garten – oder frisch aufgeworfene Maulwurfserde

Alternativ kann man das Gefäß zu ¾ mit einer Schicht frischer, meist schon vorgedüngter Blumenerde auffüllen und den Abschluss bildet eine ¼ Lage Aussaaterde.

 

8. Wir dürfen endlich raus!

Nach den Eisheiligen – vom 11. bis zum 15. Mai – können die Jungpflanzen raus gepflanzt werden. Nachts kommen als Kälteschutz gegen späte, leichte Fröste die Pflanzglocken wieder zum Einsatz. Zudem halten sie auch Schnecken ab, die sich gerne nachtaktiv über das frische Grün hermachen.
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Im Mai hat sich die Erde so weit erwärmt, dass auch jetzt direkt ins Freiland gesät werden kann. Für schnurgerade Reihen von feinem Saatgut im Gemüsebeet kann man prima eine Pflanzleine als Richtlinie benutzen. Größere Saatkörner legt man einzeln in Saatrillen. Der empfohlene Abstand steht meist auf den Saattütchen. Diesen freihändig einzuhalten, ist nicht immer ganz einfach. Man kann ein Maßband neben die Saatrille legen oder greift zum Saatlineal. Für die richtige Saat- bzw. Pflanztiefe gibt es praktische Pflanzstäbe mit Zentimeter-Skala.
Übrigens: Für die Aussaat im Freien gibt die Natur das Signal!
Blüht in der Umgebung etwa die Salweide, sät man Möhren, Radieschen und Spinat ins Freiland. Leuchtet die Forsythienblüte, dann sind Salat, Erbsen und Dicke Bohnen dran und wenn der Apfelbaum blüht, meist im Wonnemonat Mai, folgt der ganze Rest.

TEXT: Martina Raabe
FOTOS: 123 RF (2), Fotolia (2), PR (2), Shutterstock (4)

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