Mispel (Mespilus germanica)

16. November 2014
Die Mispel ist inzwischen sicherlich nicht mehr jedem ein Begriff. Es handelt sich um einen sommergrünen Baum mit krummem Stamm und breiter Krone, der essbare Früchte trägt. Im Mittelalter war diese Art in weiten Teilen Europas verbreitet; heute ist sie meist nur noch verwildert anzutreffen.

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Anbau – Wie geht das?

Mit dem Anbau von Mispeln sollten sie am besten bis zum Frühling warten, denn dieses wärmeliebende Obstgehölz ist gegenüber niedrigen Wintertemperaturen, Spätfrösten oder extremer Wintertrockenheit sehr empfindlich. Setzen Sie die Pflanzen also am besten erst im März/April bzw. wenn nicht mehr mit starken Frösten zu rechnen ist. Es bietet sich die Pflanzung als Heckenstrauch oder als kleiner Blütenbaum an. Da Mispeln selbstbefruchtend sind, brauchen Sie nicht besonders auf Pollenspendersorten zu achten.

Standort – Wo am besten?

Mispeln lieben es sonnig und werden es Ihnen daher danken, wenn Sie ihnen einen Standort in der Sonne reservieren. Der Boden sollte locker, durchlässig, warm, lehmig und etwas kalkhaltig sein. Halten Sie den Boden bevorzugt trocken, und ab und zu nur leicht feucht.

Pflege – Was ist zu tun?

Generell sind Mispeln sehr robust und anspruchslos. Pflege oder ein bestimmtes Wohlfühlprogramm benötigen sie kaum, nur gelegentliches Auslichten des alten Holzes wird ihre Mispeln sicher glücklich stimmen.

Ernte – Was ist zu beachten?

Ende Oktober bis Ende November sind Ihre Mispeln dann reif zum Ernten. Die braunen, behaarten Früchte brauchen etwas Frosteinwirkung, damit sie weich und süß-säuerlich werden. Pflücken Sie die Früchte also erst nach dem ersten richtigen Frost. Alternativ können Sie die Mispeln auch noch hart pflücken und sie dann 10 bis 14 Tage lagern.
Aus den geernteten Mispeln können Sie dann eine ganze Reihe an Leckereien zaubern. Sowohl roh als auch gekocht eignen sie sich zur Weiterverarbeitung für Kompott, Marmelade, Gelee, Saft oder auch Mus. Besonders gut harmoniert der Apfel mit Mispeln. So sind Apfel-Mispel-Kuchen oder Apfel-Mispel-Likör etwas, was sie unbedingt mal probiert haben sollten. Aufgrund ihres hohen Pektingehalts, haben Mispeln eine hervorragende Gelierfähigkeit.

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Botanik – Was ist das eigentlich für eine Pflanze?

Bei der Mispel handelt es sich um einen kleinen Baum mit pelzig-braunen Früchten. Diese fallen vor allem durch ihre langen, an der Frucht verbleibenden Kelchblätter auf. Mispelbäume und –sträucher wachsen oft etwas krumm und schief. Sie erreichen jedoch vereinzelt ein Alter von 100 Jahren und mehr. Um die Blütezeit herum ist ein Mispelbaum auch für das Auge eine wahre Pracht. Die zahlreichen weißen Blüten übersäen dann den ganzen Baum. Die Mispel gehört zur Familie der Rosengewächse.

Kulturgeschichte – Wie kam die Mispel zu uns?

Im Mittelalter war die Mispel in Süd- und Mitteleuropa weit verbreitet. Ursprünglich stammt sie aus Vorderasien, Südost- und Südeuropa. Vorangetrieben durch die römische Besiedelung wurde die Mispel schließlich nach Mitteleuropa gebracht. Dort gewann sie schnell die Oberhand im Obstgehölz mittelalterlicher Kloster- und Bauerngärten und erfreute sich überall großer Beliebtheit. Auch Kaiser Karl der Große konnte nicht widerstehen und ordnete den Anbau auf seinen Landgütern an. Aufgrund ihres hohen Gerbstoffanteils waren die Früchte besonders begehrt, denn sie milderten die Trübung von Wein, Apfel- und Birnenmost und verbesserten obendrein dessen Haltbarkeit. Für die Weiterverarbeitung zu zum Beispiel Marmelade oder Kompott eignet sich die Mispel jedoch erst nach einigen Frostnächten. Diese sind notwendig, um die Gerbstoffe abzubauen und die vorher harten Früchte in weiches, aromatisch-fruchtiges Obst zu verwandeln. Ausgereift sind Mispeln nur begrenzt haltbar und verlieren ihre wertvollen Inhaltsstoffe sehr schnell.

Sorten – Welche sind empfehlenswert?

Zu den beliebtesten Sorten zählen:

  • Ungarische: Wuchs strauchartig; schwach; frühreifend (September); sehr ertragreich
  • Nottingham: mittelstark wachsend; frühreifend; gelbliche Früchte mit dunklem Fleisch; für feuchtere Böden
  • Holländische Großfruchtige: starkwüchsig; ertragreich; große und aromatische Früchte; lorbeerähnliche Blätter
  • Kernlose: mittelstark wachsend; ertragreich; kleine, wohlschmeckende, kernlose Früchte
  • Macrocarpa: starkwüchsig; großfruchtig
  • Royal: Wuchs strauchartig; mittelstark; ertragreich

 

TEXT: Carina Naeve
FOTOS: 123RF

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