Mischkultur – auf gute Nachbarschaft

14. April 2015
Was eine gute Nachbarschaft ausmacht? Ein friedliches Miteinander ohne Streit. Wenn es richtig gut läuft, profitieren Nachbarn sogar voneinander, etwa durch Hilfe oder gar Rücksichtnahme – natürlich gilt das auch auf dem Gemüsebeet! Mit den richtigen Nachbarn gedeihen die Pflanzen gleich doppelt so gut. Daher werden in der Mischkultur bewusst bestimmte Gemüse zusammen gepflanzt. Je gesünder die Pflanzen sind und je sorgfältiger man sie anbaut und pflegt, desto besser funktioniert die Nachbarschaft.

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Natur der Dinge

Die Natur kennt keine Monokultur; auf Wiesen wachsen die Blumen alle bunt neben- und miteinander. Dabei sind bestimmte Pflanzengemeinschaften anzutreffen, die sicher nicht zufällig, sondern von der Natur vorhergesehen sind. So können einzelne Arten unter möglichst guten Voraussetzungen gedeihen. Die Natur zeigt uns wie es funktioniert, und im naturnahen Gartenbau versuchen wir dieses Geheimnis so gut wie möglich nachzuahmen und zu nutzen.

Vorteile der Mischkultur

Gezielter Anbau von Gemüsearten auf einem Beet hat viele Vorteile gegenüber der Monokultur. Zum Ersten natürlich, dass man mehr Auswahl hat, da bei der Monokultur auf größeren Flächen nur eine einzige Gemüseart angebaut wird. Ein wechselnder Standort der einzelnen Gemüsekulturen beugt außerdem Bodenmüdigkeit und der Ausbreitung von Krankheiten vor. Gute Nachbarn wachsen zusammen und schattieren das Beet; dadurch wird die Bodenverdunstung vermindert und Unkraut fast völlig verhindert. In dieser „starken Gemeinschaft“ haben Krankheiten und Schädlinge geringere Chancen sich auszubreiten.
Mischkulturen benötigen weniger Platz und die Beetfläche wird optimal ausgenutzt. Besonders in kleinen Gärten können Beetflächen besser genutzt werden, wenn man zum Beispiel hoch wachsende Pflanzen wie Kohlrabi mit breit wachsendem Pflücksalat kombiniert. Durch Zwischensaaten oder –pflanzungen kann der Gesamtertrag sogar noch erhöht werden.

Mischkultur-Tabelle

Was muss man beachten?

Eine ausgewogene Kombination aus Starkzehrern (z. B. Kartoffeln, Erdbeeren, Rote Bete oder Salat), Mittelzehrern (z. B. Bohnen, Erbsen, Gurken, Tomaten oder Parika) und Schwachzehrern (z. B. Kresse, Gartenkräuter) sowie tief wurzelndem Gemüse (z. B. Karotten oder Rettich) und Flachwurzlern (z. B. Zwiebeln oder Feldsalat) gewährleistet den Pflanzen eine ausgewogene Nährstoffentnahme aus dem Boden. Die Pflanzen kommen sich unter- wie überirdisch nicht in die Quere oder bedrängen sich gar. Schlanke Pflanzen wechseln sich mit buschigen Exemplaren ab. Es entstehen fast „natürliche Verhältnisse“ und ein ausgewogenes Mikroklima. Allerdings müssen Sie darauf achten, dass Pflanzen neben Sonne, Luft und gesunder Erde auch immer ausreichend Pflanzenabstand benötigen. Auch die unteren Pflanzenteile brauchen immer ausreichend Licht und Luft; nur dann wachsen sie kräftig und werden nicht anfällig gegenüber Schädlingen. Rasch wachsenden Arten wie Radieschen, Salat oder Kresse vertragen sich gut mit langsam wachsende Arten wie Tomaten oder Gurken.
Auf jedem Beet unterscheidet man zwischen Vor-, Haupt-, Nach- und Zwischenkultur. Die Hauptkultur steht am längsten auf dem Beet, die Vorkultur (z. B. Salat) ist bei früher Pflanzung der Hauptkultur (z. B. Tomaten) schon abgeerntet. Radieschen, Kresse oder Salate eignen sich prima als kurzfristige Zwischenkultur, sie können immer noch gleichzeitig mit der Hauptkultur oder sogar noch später gesät werden. Als Grundsatz gilt jedoch, dass die Zwischenkultur die Hauptkultur auf keinen Fall behindern darf. Die Nachkultur, die kurz vor der Ernte der Hauptkultur gepflanzt oder gesät wird, kann später zur Zwischenkultur werden oder aber auch als Hauptkultur in Erscheinung treten.
Am besten erstellen Sie schon vor Beginn des Gartenjahres einen Gartenplan, in dem Sie die gewünschten Gemüsesorten festlegen. Anhand unserer Mischkulturtabelle können Sie sich die Pflanzpaare für Ihre Beete wunderbar zusammenstellen.

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In Bewegung bleiben

Pflanzen Sie am besten kein Gemüse auf dasselbe Beet, auf dem es im letzten Jahr stand. Dadurch können die Nährstoffe im Boden optimal genutzt und eine einseitige Ausnutzung des Bodens verhindert werden. Die Gesundheit der Pflanzen und des Bodens wird erhalten und gefördert. Ausnahmen sind zum Beispiel Erdbeeren, sie bleiben 3 Jahre auf dem gleichen Beet stehen. Auch Tomaten können 2 bis 3 Jahre hintereinander auf demselben Beet wachsen.

Talente nutzen

Benachbarte Kulturen harmonieren miteinander, wenn die Pflanzen nicht um Nährstoffe konkurrieren, den Ertrag und die Qualität verbessern und sich eventuell sogar gegenseitig Schädlinge vom Leib halten. Pflanzen nehmen nicht nur Stoffe aus dem Boden auf, sie geben auch Stoffe ab. Diese ausgeschiedenen Duftstoffe können Schädlinge sogar von der Nachbarpflanze fernhalten. Es entsteht ein Wechselspiel aus Geben und Nehmen: Zum Beispiel verträgt die Möhrenfliege überhaupt keinen Zwiebelgeruch, daher können Sie Zwiebeln gut neben Karotten setzen.

  • Knoblauch oder Kräuter wie Bohnenkraut und Basilikum sorgen bei ihren Pflanzpartnern für eine bessere Gesundheit. Zwischen Erdbeeren gepflanzt, hat Knoblauch eine pilzhemmende Wirkung und hält die Früchte und Blätter länger gesund. Bohnen bleiben von der schwarzen Bohnenblattlaus verschont, wenn man sie mit Bohnenkraut zusammen pflanzt.
  • Tagetes ist super für alle Pflanzen, die unter Wurzelälchen im Boden leiden (z. B. Tomaten), da sie diese beseitigen.
  • Mit seinem Geruch vertreibt Sellerie Kohlschädlinge und ist daher nützlich für Blumen-, Rosen-, und Weißkohl.
  • Auch Kopfsalat und Kohlrabi halten sich Schädlinge wunderbar gegenseitig vom Leib.
  • Wenn der Samen direkt daneben ausgesät wird, fördert Dill die Keimfähigkeit vieler Pflanzen.
  • Kümmel wirkt sich bei einer Mischkultur positiv auf den Geschmack von Frühkartoffeln aus.

 

Welche Pflanze gehört zu welcher Familie?

Die Kenntnis der botanischen Verwandtschaft bietet eine gute Orientierungshilfe für Nutzgärtner. Gemüse derselben Pflanzenfamilie sollten nicht neben- oder nacheinander auf das gleiche Beet gesetzt werden – oder nur mit ausreichend räumlichem Abstand. Sie haben die gleichen Vorfahren und haben daher oft ähnliche Bedürfnisse und benötigen nicht nur die gleichen Nährstoffe, sie leiden auch unter den gleichen Schädlingen. Sind die Pflanzen nur weitläufig oder gar nicht miteinander verwandt, vertragen sie sich bestens. Einige Pflanzen sind sich auch einfach nicht „grün“. Kartoffeln und Erbsen sollten etwa nicht zusammen auf ein Beet gepflanzt werden, auch Bohnen und Knoblauch vertragen sich gar nicht.

Doldenblütler: Fenchel, Möhren, Petersilie, Sellerie, Dill, Kerbel, Koriander, Pastinaken
Lippenblütler: Rosmarin, Basilikum, Bohnenkraut, Salbei, Thymian, Pfefferminze, Zitronenmelisse
Körbchenblütler: Zuckerhut, Endivie, Chicoree, Kamille
Kreuzblütengewächse der Gattung Kohl (Brassica): Brokkoli, Blumen-, Grün-, Rosen-, Rot- und Weißkohl, Wirsing
Kreuzblütengewächse der Gattung Rettich (Raphanus): Radieschen, Rettich
Kürbisgewächse: Gurke, Kürbis, Zucchini, Melonen
Lauchgewächse: Knoblauch, Porree und alle Zwiebeln
Nachtschattengewächse: Kartoffeln, Paprika, Tomaten, Peperoni
Schmetterlingsblütler: Bohnen, Erbsen, Linsen
Gänsefußgewächse: Spinat, Rote Bete, Mangold
Liliengewächse: Schnittlauch, Knoblauch, Zwiebeln, Spargel

 

TEXT: Victoria Wegner
FOTOS: Fotolia (1), Shutterstock (2)

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